Kohle und schwarze Kreide, 255 x 240 mm.
Rückseitig Nachlaßstempel in Blau: Prof. Edm. Kanoldt, Karlsruhe. Der Name in Bleistift, Raumskizze (Fünfeck) und Zahlen in Bleistift.

Abgesehen von einer hinterlegten Stelle am unteren Rand und Montageresten von bester Erhaltung.

Kanoldt greift hier mit der Frauengestalt am Meer ein Motiv auf, das in der Kunst der Deutsch-Römer eine bedeutende Rolle spielte. Eingehend mit Sappho an der Meeresküste hat sich Karl-Heinrich Dreber (Franz Dreber, 1822-1875) befaßt, durch den Kanoldt möglicherweise unmittelbar angeregt wurde. Kanoldts Entwurf der mit Zypressen bewachsenen stürmischen Meeresküste erinnert zugleich aber auch in Stimmung und Bewegtheit an Arnold Böcklins Thema der "Villa am Meer".
Zu seiner Lebenszeit bezog Kanoldt seine künstlerische Anerkennung von seinen Gemälden mit mythologischer Staffage. Mit dem Motiv der Frau am Meer (Iphigenie, Hero, Kassandra, Penelope, Sappho), besonders mit der Gestalt der Sappho, hat er sich in mehreren Entwürfen und Gemäldefassungen beschäftigt.
Die eindrucksvolle bildmäßige Zeichnung steht in ihrer Auseinandersetzung mit dem Motiv zwischen zwei Skizzenbuchzeichnungen (München und Bremen) und einer Gemäldefassung von 1879 (Müller-Scherf, Kat.-Nr. 93). Zeitnahe Gemäldevarianten befinden sich München (Bayerische Staatsgemäldesammlung) und Schweinfurt (Sammlung Georg Schäfer).
Im Werkverzeichnis bei Müller-Scherf unter Kat.-Nr.
557.

Edmund Kanoldt: Landschaft als Abbild der Sehnsucht. Karlsruhe: Städtische Galerie 1994.
Angelika Müller-Scherf: Edmund Kanoldt. Leben und Werk. Pfaffenweiler: Centaurus 1992.
Christoph Heilmann (Hg.): "In uns selbst liegt Italien. Die Kunst der Deutsch-Römer". München 1987.


 

Edmund Friedrich Kanoldt
1845 Großrudestedt - 1904 Bad Nauheim

Sappho, um 1879